Eine Ohrenkorrektur (“Otopexie”) erfolgt, um abstehende Ohrmuscheln zu korrigieren. Johann Friedrich Dieffenbach (1792-1847), der Erfinder der Äthernarkose, hatte wohl so eine Operation als erster durchgeführt; nach ihm war dies vermutlich als zweiter der US-Amerikaner Edward Talbot Ely im Jahre 1881. Eine Ohrenkorrektur hat grundsätzlich keine streng gesundheitlichen Gründe: Jedoch falsch angewachsene Ohren erzeugen ein minderes Selbstwertgefühl bei deren Trägern, insbesondere bei Kindern. Die plastische Chirurgie bietet hier die Möglichkeit, durch medizinische Tradition an vorhergehende Erkenntnisse anzuknüpfen und diese bei Menschen, die sich durch eine selbst so empfundene Fehlbildung beeinträchtigt fühlen, anzuwenden.
Anfang der 1960er Jahre wurden drei unterschiedliche Methoden zur Behandlung von so empfundenen Ohr-Fehlbildungen entwickelt, die man heutzutage auch kombiniert anzuwenden weiß:
(1) die Nahttechnik,
(2) die Schnitt-Nahttechnik sowie die
(3) Ritztechnik,
die unten angeführten (nicht mehr vollständig operativen) Methoden (4) bis (6) entstammen moderneren Überlegungen und werden ebenfalls angewandt.
(1) Die Nahttechnik wird angewendet, indem man die Rückflächen der Ohrmuscheln freilegt und den Ohrknorpel in eine Position bringt, die dem Kopf mehr anliegt.
(2) Die Schnitt-Naht-Technik kennt ebenfalls die Operation von der Ohrmuschelrückseite. Hier wird die Knorpelstruktur durch vordefinierte Schnittführungen geschwächt, wodurch man die Formgebung ermöglicht.
(3) Die Ritztechnik nutzt die Eigenschaft des Knorpels, dass er seine Form verändert, nachdem er einseitig oberflächlich geritzt wird. Dies ist eine Technik ohne Naht – hier arbeitet man von der Ohrknorpelvorderfläche aus.
Auch (4) verwendet man heutzutage einen Faszienlappen, der hinter dem Ohr präpariert wird, um die Nähte zu sichern oder (5) arbeitet mit dem Endoskop als Hilfe.
Die (6) Auri-Methode kennt folgendes Prinzip: Beim Säugling oder Kind fixiert man die Ohren nachts mit einer Klammer und tagsüber per Klebestreifen. Nach einem halben Jahr ist das Ohr so gerichtet (durch normale Wachstumsentwicklung), dass die Position den Wünschen der Patienten (oder deren Eltern) entspricht.
Es ist die Art der Fehlbildung, nach der man die im Einzelfall richtige Technik anwendet. Die häufigste Ursache, dass Ohren abstehen, ist eine Anthelixfalte, die nicht ausreichend von der Natur her angelegt wurde: Die sogenannte hypoplastische Fehlbildung. Durch die Methoden (1) und (2) wird die fehlende Falte rekonstruiert (der Eingriff heißt: Anthelixplastik). Eine weitere Ursache liegt in einem Knorpelüberschuss, der der Ohrmuschel in den gehörgangsnahen Teilen zugefügt wurde (hyperplastische Fehlbildung). Um dies zu beheben, wendet man Knorpelresektionen und Nahttechniken an: Hier nennt man den Eingriff: Ohrmuschelrotationsplastik. Kinder erfahren bei diesen Eingriffen jeweils Vollnarkose (bis zu 14jährige erhalten die Behandlungskosten hier von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet), Erwachsene werden einer lokalen Betäubung unterzogen – während das Hörvermögen unverändert bleibt, muss ein bis zwei Wochen nach der Operation ein straffer Kopfverband angelegt bleiben
.
Es besteht stets eine intensive Komplikationsanfälligkeit bei Eingriffen wie diesen. Nämlich
(a) früh erscheinende Komplikationen und
(b) später auftretende.
Unter (a) lassen sich aufzählen: Überempfindlichkeit auf Druck und Kälte, Blutergüsse, Blutungen, starke Schmerzen. Weiterhin: Allergiereaktionen auf Operationsgeräte und Infekte. Überdies: Der Gehörgang engt sich ein; die Ohren liegen langfristig nicht so an, wie es ästhetisch sinnvoll wäre (Bezeichnung hier: “Katastrophenohr”). Unter (b) lassen sich fassen: Ebenfalls Überempfindlichkeit wie in (a), Narbenhypertrophie, Deformation von Ohrmuscheln, Ohrmuschelasymmetrie, Kantenbildung, Granulom (Riesenzellen), Zysten (Atherom).