Unter “Haartransplantation” versteht man, wenn

(a) einzelne Haare,

(b) kleinste Haarbüschel oder

(c) Hautstreifen mit Haaren verpflanzt werden.

Eine dieser Möglichkeiten kommt dann zur Anwendung, wenn Haarausfall diagnostiziert wird (“Glatze”). Bei ungefähr 20 Millionen Personen in Deutschland sind Beschwerden dieser Art dokumentiert, die reale Ziffer ist hier höher. Medikamente leisten es in diesem Zusammenhang, den weiteren Haarausfall zu stoppen, jedoch nicht, die bereits verlorenen Haare wieder nachwachsen zu lassen. Stets geht es Kund(inn)en darum, ästhetisch-kosmetisch auf ihre Frisur einzuwirken, weil sie den natürlichen Erscheinungen im Bereich des Haupthaares nicht mit Zufriedenheit begegnen.

 

Welche Verfahren gibt es hier? Zunächst beschrieb der Dermatologe Okuda (1939, Japan), wie er selbst mit einer Stanztechnik begann, behaarte Hautteile in den Haupthaarbereich, aber auch in Schurrbärte und Augenbrauen zu verpflanzen ((1)”Punch-Technik”) – mit dem Ergebnis, dass sich an den so behandelten Stellen eigenständig Haarwuchs bildete. Anlass für Okuda war es, Brandopfer zu behandeln. Später erst wurde genau diese Technik gegen den vererbbaren Haarausfall (androgenetisch) eingesetzt. 1986 war es Dr. Manfred Lucas aus München, der in London (2) “Micro- bzw. Minigrafts” vorstellte (als einer der ersten). Seit den 1990er Jahren kennt man (von R. u. A. Woods) die Technik der sogenannten (3) “Follicular Unit Extraction”.

 

In Deutschland wird die oben unter (2) erwähnte Methode am häufigsten angewandt. Aus dem Haarkranz entnimmt man einen behaarten Hautstreifen und zergliedert diesen in mittlere Hautteile sowie in kleinere Hautteile mit Haarwurzeln. Diese Haarinseln werden, wie angedeutet, “Minigrafts” genannt (auch: “Micrografts”) – es sind diese Einzelteile, die man dann in die besprochenen Körpergebiete einpflanzt. Örtlich betäubt bleibt der Patient – und dies für eine Zeitdauer zwischen drei und neun Stunden. Die meiste Zeit wird damit verbracht, die Transplantate vorzubereiten.

 

Die oben unter (3) erwähnte Methode entwickelt den Gedanken aus (2) nur konsequent weiter und gilt somit als modernste und am häufigsten angewandte Behandlung. Es wird dem Umstand Rechnung getragen, dass Haare in Bündelungen und nicht einzeln wachsen. Auch hier entnimmt man (mit Hohlnadeln) aus dem Haarkranz zunächst einen Hautstreifen – dieser jedoch wird unter dem Mikroskop in “follikulare Einheiten” (dies sind die natürlichen Haarbündelungen) zergliedert. Genau diese winzigen Elemente (ein bis vier Haare) sind es in der Folge, die entsprechend in die zu behandelnden Körpergebiete eingesetzt werden. Genau diese Methode machte es überhaupt erst möglich, nicht nur Kopf-, sondern auch Körperhaare zu verpflanzen (beide Sorten unterscheiden sich jedoch molekular und auch farblich). Dies macht es möglich, dass Augenbrauen rekonstruiert werden können, erblich bedingtem Haarausfall entgegengewirkt werden kann, Scham- und Barthaare ersetzt sowie unterschiedlichen Ärgernissen im Zusammenhang mit dem Kopfhaar entgegenkommt.

 

Die häufigste Ursache (geschätzte 90 Prozent) bleibt die “Alopecia androgenetica” – das erblich bedingte Phänomen -, welches bei Männern ab dem 17. bis zum 30. Lebensjahr aufkommen kann und generell als “Geheimratsecken” oder “Tonsur” beschrieben wird. Jedoch enthalten Männer und Frauen jeweils auch Hormone des anderen Geschlechts. Folglich kann ein solcher Haarausfall auch bei Letzteren auftreten: Hierbei handelt es sich dann ebenfalls nicht um eine Krankheit (im Sinne von “nicht gesund”), sondern um ein ererbtes Phänomen, welches nicht dem Schönheitsideal genau dem Kulturkreis entspricht, in welchem sich ein entsprechender Patient gerade befindet oder hineingeboren wurde.