Eine Brustverkleinerung wird mit dem medizinischen Terminus “Mammareduktionsplastik” bezeichnet. Frauen, die von Natur aus mit zu großen Brüsten versehen sind, können dadurch Verspannungen oder chronische Rückenschmerzen, Hautinfekte oder einschneidende BH-Träger erleiden. Des Weiteren wirken sich diese Aspekte auch auf den seelischen Zustand der Patientin aus. Medizinisch, so sagt man in Fachkreisen, wird ein entsprechender Eingriff dann relevant, wenn ein Pfund an Gewicht von jeder Brust entfernt werden sollte. In vielen Fällen begründet sich jedoch die Anfrage einer Patientin auf deren persönlichem, subjektivem Wohlempfinden und hat – wie oft bei Schönheitskorrekturen – keinen medizinischen Hintergrund.

 

Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose. Verschiedene Operationstechniken bestehen, die jeweils für den Einzelfall entschieden werden. Eine Schnittführung kann

(a) am Rand des Warzenvorhofes ansetzen und von dort aus senkrecht hinunter in die Brustumschlagfalte verlaufen

Bei größeren Brüsten wird

(b) ein weiter verlaufender Schnitt benötigt, der quer in die Umschlagfalte hineinreicht. Drüsengewebe, Fettgewebe sowie überschüssige Haut wird entfernt: Dies ergibt eine Straffung. (a) und (b) haben eines gemeinsam: Brustwarze sowie Warzenhof werden versetzt – dies erfordert eine Umleitung der Blutversorgung. Hier sind sorgfältige und präzise Maßnahmen erforderlich, die dann die Operation auch länger dauern lassen: Genaues hängt ab von der tatsächlichen Naturgröße der zu operierenden Brust.

 

Ziel ist in allen Fällen: Die Patientin ist daran interessiert, ihre Lebensqualität zu steigern (was sie auch schafft, wenn eine Brustgröße mit Zielgröße B oder C anvisiert und ermöglicht wird). Jedoch weil dasselbe Risiko wie bei allen Operationen besteht, dass Komplikationen ungeahnten Ausmaßes auftreten, die ein Patient mit seiner Unterschrift verantworten würde, sollten Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen werden. Eine detaillierte und für die Betroffene leicht verständliche Aufklärung aller Einzelschritte ist somit Bestandteil eines seriös geleiteten Eingriffs. Risikofaktoren bestehen im Besonderen, wenn eine Neigung zu Autoimmunerkrankungen vorhanden ist, somit auch zu Wundheilungsstörungen (denen meistens erfolgreich ohne Nachfolge-OP, sondern mit gewöhnlicher Wundbehandlung begegnet werden kann). Die Brustwarze kann verloren gehen oder mit Gefühlsstörungen verbleiben – weiterhin besteht stets das Risiko, dass Narben nur sichtbar und nur schlecht verheilen.

 

Jede Krankenkasse ist dazu bereit, Kosten einer Brustverkleinerung ohne Diskussion zu erstatten, wenn ein medizinisches Gutachten oder ein entsprechender Diagnosebericht eine ärztliche Notwendigkeit unvermeidbar nahelegt. Jedoch bleibt es auch gegenwärtig schwierig, eine vollständige Kostenerstattung mit den Versicherern auszuhandeln: Diese verweisen auf Psychotherapie, Krankengymnastik oder Gewichtsreduktion als preiswertere Alternativ-Strategien, welche hier aber wertlos sind. Denn erst, wenn alternative Methoden in ihrer Effektivität vergeblich mit Hilfe von Fachleuten zu Ende gedacht worden sind, würde sich eine Patientin freiwillig einer Operation unterziehen.

 

Unumgänglichkeit lautet das Stichwort, welches seitens eines behandelnden Mediziners bzw. Gynäkologen nachzuweisen; nämlich stichhaltig und alternativlos zu begründen sein muss. Wird durch eine Brustverkleinerung Schlimmeres verhütet? Wird ein Zustand dadurch geheilt? Wird eine bestehende gesundheitliche Gefährdung der Patientin hier gelindert bzw. beseitigt? Würde die übergroße Brust schmerzhafte Beschwerden begünstigen? Würden ohne operativen Eingriff Hals- und Brustwirbelsäule langfristig und einschneidend geschädigt? Könnten all diese Beschwerden nicht durch Krankengymnastik oder Physiotherapie innerhalb von zwei Jahren getilgt werden? Diese Fragen benötigen gegenüber den Krankenversicherern eine direkte und auch für medizinische Laien unmissverständlich lautende Antwort, die für die Operation spricht – akzeptiert werden hier plastische Chirurgen, behandelnde Orthopäden bzw. in der Sache bereits länger erfahrene Frauenärzte von entsprechender Reputation.