Gynäkomastie bezeichnet – beim Mann – die Vergrößerung der Brustdrüse. Zum einen kann es hier um die sogenannte “echte G.” gehen (Vermehrung des Drüsengewebes) oder auch um eine “falsche G.” (Übergewicht bzw. Adipositas: zusätzliche u. nachträgliche Fetteinlagerung). Beides kann von Betroffenen subjektiv als “abnormal” bzw. entsprechend als seelische Belastung empfunden werden, doch G. kann generell als Teil der normalen und nicht eben krankhaften physiologischen Veränderung innerhalb einer männlichen Körperentwicklung auftreten. Die Behandlung erfolgt, wie noch zu erörtern sein wird, generell nicht operativ (möglich ist es jedoch). Zunächst wird nämlich versucht, durch Veränderung der Lebensführung bzw. Gewohnheiten der Ernährung beim Betroffenen eine optische Normalisierung seiner Brustpartie herbeizuführen, was auch in den meisten Fällen sich hier als Erfolg versprechend erwiesen hat.
Im Einzelnen kann die Gynäkomastie wie folgt klassifiziert werden:
(a) als Neugeborenen-Gynäkomastie, die sich natürlich zurückbildet (ausgelöst durch die Hormone der Mutter, diese wurden über die Plazenta übertragen auf das Neugeborene)
(b) als Pubertäts-Gynäkomastie, die sich (nicht immer) natürlich zurückbildet (ausgelöst durch Östrogen-Anteile im männl. Muskel- und Fettgewebe)
(c) als Alters-Gynäkomastie (ausgelöst durch den Umstand, dass sich bei zunehmenden Lebensalter Fettgewebsmassenanteil im Verhältnis zur Gesamtkörpermasse erhöht, sich Östrogen-Anteile erhöhen)
(d) als Pseudo-Gynäkomastie (ausgelöst durch genetische Adipositas-Veranlagung bzw. entsprechend begünstigtem sprunghaftem Übergewicht)
(e) als “echte Gynäkomastie” (ausgelöst durch Hormonstörungen, Erkrankungen, Kastrationen oder Medikamentenunverträglichkeiten)
– bei Hormonstörung als Mangel männl. Hormone (Hypogonadismus),
dies meint, dass
(I) das Brustgewebe im Einzelfall erhöht ansprechbar auf Östrogene ist,
(II) Östrogene vermehrt vorhanden sind (Hormontherapie gegen Krebsarten und Pubertäts-Gynäkomastie),
(III) zu wenig Testosteron vorhanden ist (Keimdrüsenunterfunktion bzw. Alters-Gynäkomastie),
(IV) eine ernährungsbedingte Störung des Hormonhaushalts bewirkt wurde (hormonbehandeltes Fleisch, Anabolika, Hopfen-Bier und Alkohol generell)
– bei Erkrankungen als chronische Konditionen (Alkoholsucht, Leberzirrhose, Nierenversagen, Schilddrüsenfehlfunktion oder Brustkrebs beim Mann; dies ist jedoch selten und meistens gutartig)
– bei Medikamentenunverträglichkeiten; hier können als die häufigsten Auslöser benannt werden: Säureblocker (Omeprazol, Ranitidin und Cimetidin), Spironolacton (als Aldosteronantagonist), Finasterid (als Prostatamittel), Herzglykoside (etwa: Digoxin), Kalziumantagonisten (Verapamil und Nifedipin), Neuroleptika (Sulpirid und Phenothiazintypen)
Gynäkomastie wird generell nicht (schönheits-)operativ behandelt. Wenn doch, dann nur nach gescheiterter Hormontherapie, bei der versucht wurde, den Anteil männl. Hormone im Körper des Betroffenen zu erhöhen. Alternativ wird zunächst versucht, die Ernährungsgewohnheiten des Betroffenen zu verändern (s.o.). Eine OP besteht in einem kurzen Schnitt am Rand des Brustwarzenhofes, um Drüsengewebe und überschüssiges Körperfett zu entfernen. Komplikationen sind zwar – so sie statistisch erfasst sind – selten, jedoch dann gravierend. Folgendes ist als solches zu benennen: Unvorteilhafte Narbenbildung, Nachblutungen, Gefühlsverminderung, Pigmentstörungen, Hautunebenheiten, Infektionen und bzw. oder die Unverträglichkeit einer Narkose. Da jedoch in diesem Zusammenhang andere Optionen vorhanden sind, werden diese einer OP vorgezogen.
Folgende Rahmenbedingungen bestehen in der Bundesrepublik für die operative Behandlung einer Gynäkomastie: Das gesetzliche Mindestalter ist auf die Volljährigkeit festgelegt, die ein- bis zweistündige OP erfolgt unter Vollnarkose. Der Patient hat sich im Anschluss noch 24 h stationär im OP-führenden Krankenhaus aufzuhalten. Um den Erfolg einer solchen OP nicht durch eigenes Verschulden einzuschränken, wird ihm im Anschluss nicht erlaubt, sich für eine Zeitdauer von 48 Stunden zu duschen und auch nicht, für eine Zeitdauer von sechs Wochen sich sportlich zu betätigen.